
Hauptbestandteile
Vorbereitungsprojekt
Workshop zur Entwicklung des Weiterbildungskonzeptes
12 Webinare
3 Präsenzmodule
8 Regionale Multiplikationsveranstaltungen
Praxisbuch: „Kunsttherapie in actu“ – Methodensammlung
Feedback: Teilnehmerstimmen
Bildergalerie
Vorgeschichte
Die Idee des Projekts, das der Anwendung von Kunsttherapie in der Inklusion gewidmet ist, wurde dank Umständen geboren, die in keinerlei Beziehung zur Kunsttherapie oder zur Inklusion standen. Wir suchten nach einer Unterstützung für ein Kind mit Zerebralparese. Diese Suche hat uns zu Sozialinitiative „Aktion Mensch“ geführt, die vor über 60 Jahren zur Unterstützung der Inklusion – also der Integration von Menschen mit besonderen Bedürfnissen in die Gesellschaft– gegründet wurde.

Zu unserem Bedauern leistet „Aktion Mensch“ keine individuelle Hilfe. Man hat uns jedoch auf ein Programm aufmerksam gemacht, das auf die Unterstützung der Inklusion in den Ländern Osteuropas ausgerichtet war und dabei herausragende Rahmenbedingungen bot. Die deutschen Organisationen, die ihre Erfahrungen mit der Inklusion in osteuropäischen Ländern teilen wollten, hatten die Möglichkeit, ihr Hauptprojekt durch eine kleine Initiative im Zielland vorzubereiten. Dies sollte ihnen erlauben, die Situation vor Ort zu untersuchen, die Zusammenarbeit mit Partnern zu vertiefen und im persönlichen Kontakt – also nicht per Skype oder Zoom – gemeinsam das Konzept des Hauptprojektes zu entwickeln.
Zu jener Zeit hatte unser Verein nur wenig Erfahrung in der Arbeit mit Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Wir hatten jedoch eine erfolgreiche und sehr inspirierende Erfahrung in der Zusammenarbeit mit der „Allukrainischen arttherapeutischen Assoziation“ und deutschen Kollegen, die über entsprechende Expertise verfügten. Zudem schätzten wir die Kunsttherapie sehr und wollten ihre Entwicklung in der Ukraine voranbringen. Deshalb haben wir einen Projektantrag gestellt – mit Erfolg!
Vorbereitungsprojekt und Konzeptentstehung
Unser Vorbereitungsprojekt war das theoretisch-praktische Seminar „Kunsttherapeutische Technologien als Instrument zur Begleitung von Kindern mit besonderen Bildungsbedürfnissen in inklusiven Bildungseinrichtungen der Ukraine: Perspektiven und Wege der Implementierung“. Dieses organisierten wir im Jahr 2019 in den Räumlichkeiten der elitären Ukrainian Global School. Zur Teilnahme waren Vertreter des Bildungsministeriums, Wissenschaftler, Lehrkräfte von Hochschulen, Kunsttherapeuten und gesellschaftliche Akteure aus verschiedenen Regionen der Ukraine eingeladen. Ebenfalls nahmen drei Fachkräfte aus Deutschland teil: die Heileurythmist:innen Sebastian und Ulrike von Tschammer, die über langjährige und tiefgehende Erfahrung in der Anwendung von Eurythmie in der Heilpädagogik verfügten, sowie Lisa Kurz, die über ebenso umfassende Erfahrung in der Arbeit mit Autismus verfügte.



Der wissenschaftlich-theoretische Teil der Veranstaltung umfasste drei thematische Hauptblöcke: die Analyse der Situation in der inklusiven Bildung der Ukraine, die Erfahrung Deutschlands im Bereich der Inklusion und Heilpädagogik sowie die Möglichkeiten der Kunsttherapie für die Sozialisation von Kindern mit besonderen Bildungsbedürfnissen. Das Seminar wurde von einer Vertreterin des Bildungsministeriums eröffnet, die uns von der stürmischen Entwicklung der Inklusion in der Ukraine in den letzten Jahren erzählte und ein idyllisches Bild zeichnete, in dem Inklusion als das absolute Gute und das Lernen eines Kindes in einer Spezialschule als das absolute Böse erschien.
Die weiteren Vorträge führten uns aber näher zur Realität, indem sie Herausforderungen thematisierten, mit denen die Inklusion in der Ukraine konfrontiert ist: eine eher ablehnende Haltung der Erzieher, Lehrer und Eltern der aufnehmenden Kindereinrichtungen, Schwierigkeiten in den Beziehungen in Kindergruppen sowie mögliche negative Folgen für die Selbstwahrnehmung der Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarf.
Gleichzeitig bot das Seminar Antworten auf diese Herausforderungen. Besonders beeindruckend war in dieser Hinsicht der Vortrag von Sebastian von Tschammer, der von besonderen Möglichkeiten sprach, die Menschen mit „besonderen Fähigkeiten“ – wie er sie nennt – der Welt eröffnen.

Neben Vorträgen umfasste das Programm Warm-ups unter der Leitung von Sebastian, Workshops in Eurythmie und Kunsttherapie, Gespräche mit Lisa Kurz, die in Deutschland eine Einrichtung für Menschen mit starkem Autismus leitete, sowie einen Runden Tisch, dessen Ergebnisse in Form eines Seminarbeschlusses festgehalten wurden. Darüber hinaus wurden die Ergebnisse des Seminars in einem Interview mit der Projektleiterin Alla Vaysband reflektiert.








Während des Seminars entstanden zahlreiche Ideen für das geplante Projekt. Eine klare Richtung bekam es schließlich durch ein Treffen mit Walentyna Chiwrytsch, die damals die Abteilung für inklusive und außerschulische Bildung im Bildungsministerium leitete. Sie brachte den Impuls ein, eine Fortbildung für Lehrkräfte aus Instituten für Lehrerfortbildung und Hochschulen zu entwickeln (jeweils drei Personen aus allen 25 Regionen der Ukraine). Ziel war es, dass sie die gewonnenen Kenntnisse und Methoden in ihre eigenen Lehrprogramme aufnehmen und so zur Verankerung kunsttherapeutischer Ansätze in der inklusiven Bildung beitragen.
Dieses ambitiöse Vorhaben hatte eine Engstelle. Es konnte vorkommen, dass die Lehrkräfte der Fachrichtungen „Soziale Arbeit“, „Psychologie“ und „Sozialpädagogik“, die wir zur Fortbildung einladen wollten, bereits Erfahrung in der Arbeit mit Kindern mit sonderpädagogischer Förderbedarf hatten. Deshalb ergänzten wir das Weiterbildungsprogramm um ein zweiwöchiges Praktikum in Inklusiven Ressourcenzentren, um praktische Erfahrungen zu ermöglichen und die Inhalte lebendig und anwendbar zu machen.
Aus diesen Impulsen entwickelten wir das Hauptprojekt unter dem Titel: „Unterstützung der Inklusion mit Methoden der künstlerischen Therapie: Anpassung der Methoden und Weiterbildung der Multiplikatoren“. Er wurde für die Jahre 2020–2021 geplant und sollte folgende Hauptkomponenten umfassen:
- Ein ukrainisch-deutsches Workshops zur Entwicklung des Weiterbildungskonzeptes
- Drei sechstägige und ein dreitägiges Offline-Lehrmodul mit einführenden Online-Vorlesungen
- Ein Experiment in einer Kindereinrichtung, das den Einfluss der Kunsttherapie auf die Integration und Inklusion von Kindern mit besonderen Bedürfnissen überprüfen sollte.
- Die Arbeit der Absolvent:innen an eigenen Lernprogrammen zur Verwendung der Kunsttherapie in der Inklusion, die sie in ihren Bildungs- oder Weiterbildungseinrichtungen realisieren sollten.
Das anhand dieses Konzepts entstandene Weiterbildungsprogramm wurde abschließend durch das Institut für soziale und politische Psychologie der Nationalen Akademie der pädagogischen Wissenschaften der Ukraine lizenziert und auf dessen Webseite veröffentlicht






